Farbbalance

Muss man sich um den Weissableich bei der Landschaftsfotografie kümmern wenn man in RAW fotografiert oder nicht? Die Antwort ist JEIN. Der eine kann gut bei der Bildbearbeitung damit umgehen und andere haben massive Problem den richtigen Farbton im Bild zu treffen bei der nachträglichen Bearbeitung. Das menschliche Auge macht den Weissabgleich automatisch. Eine digitale Kamera hat aber nur beschränkte Möglichkeiten dies automatisch zu tun.

Also ich hatte von Anfang an bei der Landschaftfotografie massive Probleme, den Weissabgleich richtig, das heisst so natürlich wie man es mit blossem Auge gesehen hat, einzustellen. Für mich das schwierigste überhaupt in der digitalen Zeit.

Man sagt ja, dass im RAW der Weissabgleich auf «Auto» gesetzt werden kann, weil man in der Postbearbeitung den Farbwert ganz einfach einstellen kann. Wer dies in der Landschaftsfotografie aber in den Morgen- oder Abendstunden selbst erlebt hat, der sagt nicht mehr «einfach» dazu. Denn selbst mit den hochmodernen und top ausgestatteten digitalen Spiegelreflexkameras bringen diese es noch nicht fertig, den Farbwert richtig zu treffen wenn man alles automatisch der Kamera überlassen möchte. In der Portraitfotografie im Studio verwendet man Farbkarten, welche jeweils bei einem Foto mit drauf genommen wird. Aber ist dies in der Landschaftsfotografie wirklich der richtige Weg? Gibt es nicht was einfacheres?

Muss der Weissabgleich perfekt sein?

In der Portrait und Hochzeitsfotografie denke ich, muss der Weissabgleich perfekt ausbalanciert sein, damit Weiss auch wirklich Weiss ist. Aber in der Landschaftsfotografie leben insbesondere Bilder von Sonnenuntergängen von den wärmeren oder kühleren Farben. Denn diese machen ein Bild stimmungsvoller.

Erfahrung

Meine Erfahrung zeigt, dass wenn man den Weissabgleich auf «Tageslicht/Daylight» also um den Wert 5200 Kelvin stellt und in jeder Tageszeit so beläst, die Farben mal kühler, mal wärmer im Bild erscheinen. Der Farbkontrast ist dabei am ausgewogensten. Denn in der Nachbearbeitung hat man nicht nur einen sondern zwei Werte die angepasst werden können. Der eine Wert ist die Temperatur (zwischen 2’000 und 10’000 Kelvin) und andere die Farbtonung (zwischen -150 = grün und +150 = Magenta). Diese Kombination macht es enorm schwierig, einen natürlichen und ausgewogene Balance zwischen Temperatur und Farbe zu bekommen, ausser man hat eine Farbkarte vor Ort benutzt und diese in einem Bild integriert. Dann kann man mit dem Weissabgleich Selektor arbeiten.

Weissabgleich Beispiel

Schauen wir uns mal ein Beispiel einer Szene an, bei welchen der Weissableich mal auf automatisch gestellt wurde, mal auf Tageslicht (5200K) und mal individuell angepasst damit die Stimmung wärmer wurde.

Das Bild entstand an einem Februar Abend in Eschenz ca. 1 Stunde vor Sonnenuntergang.

_DSC4115_2011_LR

Beim automatischen Weissabgleich wirkt die Szene eher flau. Der Himmel ist nicht wirklich blau und das Holz des Steges und die Bäume sind zu den anderen Farben zu warm. Die Kamera hat in dieser Situation eine Balance ausgewählt, was dem Bild die Stimmung genommen hat.

_DSC4115_2011_LR-2

Der Weissabgleich nun auf Tageslicht gestellt, ergibt ein zwar kühleres Bild, aber an diesem Wintertag waren die Farben auch in etwa so. Der Kontrast der Farben ist ausgewogener insbesondere des Himmels zum Holz des Steges.

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Wenn nun der Weissabgleich mittels Selektor im Bild angehoben wird, sprich die Farben wärmer werden, dann sind zwar die Rottöne angehoben und intensiver, aber die Balance ist trotzdem nicht gegeben.Dieses Beispiel zeigt auf, dass wenn der Weissabgleich auf Tageslicht gestellt ist, die Farbbalance meist am besten ist im Bild und die Bildbearbeitung danach einfacher wird.

Optimal nur in 95% der Fälle

Aber nicht immer funktioniert diese Einstellung und man muss korrigieren. In der folgenden Szene waren die Farben in den Wolken so intensiv, dass bei der Weissabgleich Einstellung auf Tageslicht die Farben zu kitschig wurden. Das hat damit zu tun, dass bei der Weissabgleich Einstellung an der Kamera nur die Temperatur definiert werden kann und nicht die Farbtonung.

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Mit der Tageslicht Einstellung sind die Magenta Töne enorm intensiv. Die Szene war zwar sehr farbenprächtig, aber nicht ganz so gewaltig. Gut zu sehen ist, dass selbst die Steine im Vordergrund den Magenta Stich angenommen haben. Dies war dann auch der Grund, warum ich in diesem Bild den Farbton Wert von +10 auf -17 geändert habe.

_DSC3849_2011_Lightroom-2

Angepasst und somit ist der Magenta Farbton nicht mehr ganz so intensiv. Zusätzlich wirken die Steine im Vordergrund nun neutraler wie man diese selbst sehen würde.

Vorteile mit «Tageslicht» als Weissabgleich Einstellung

Um auf den Punkt zu kommen  bei diesem Artikel, nun der Vorteil mit «Tageslicht» als Weissabgleich Einstellung. Jeder betrachtet die gerade gemachten Bilder vor Ort an der Kamera. Da ist es doch hilfreich, dass das am Kameramonitor dargestellte Bild entspricht bereits den fast finalen Bild nach der Nachberabeitung. Zudem hat man den Vorteil im Live-View Mode, dass die Szene nicht von falsch gesetzten Werten der Kamera verunstaltet wird. Mir hilft es enorm und spart mir viel Zeit bei der Entwicklung der Bilder. Zudem muss ich vor Ort an etwas weniger denken.

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