Lightroom CC Performance Test & Optimierung

Einleitung

Wer mit Lightroom arbeitet kennt das Problem, dass die Performance immer mehr abnimmt. Umso mehr Bilder verwaltet und entwickelt werden, umso mehr nimmt die Wartezeit beim Wechseln zu anderen Bildern zu. Die RAW Entwicklung wird zur Tortur und man fragt sich, wie man das Problem beheben kann.

Ich habe mit Lightroom 3 und 12 MPixel Bildern angefangen zu arbeiten. Da war alles noch flüssig und cool bei der RAW Entwicklung. Mittlerweile bin ich bei 36 MPixel und 70 MB grossen RAW Dateien angelangt. Das Wechseln von Bild zu Bild im Entwicklungsmodul ist alles andere als performant.

Ich arbeite viel Mobil und habe mir dazu eine Mobile Workstation zu gelegt, mit der Hoffnung, dass ich die Bildentwicklung unterwegs ebenfalls ausführen kann. Mit dem Lenovo ThinkPad W540, welcher mit einem i7 4900MQ Prozessor, 32GB Memory und einer SSD Harddisk ausgestattet ist, habe ich sicher eine der performantesten Notebooks auf dem Markt. Aber auch mit diesem Gerät ist Lightroom nicht so performant wie man es sich wünscht.

Ich habe darauf versucht heraus zu finden, welches die optimalste Konfiguration eines Computers ist. Gemäss verschiedensten Foren sind die folgenden Faktoren essentiell für Bildbearbeitung mit Lightroom:

  • Taktfrequenz des Prozessors – umso höher desto besser
  • Viel Memory
  • Schnelle Harddisk

Anhand dieser Definitionen hatte ich mir eine Workstation für die Bildentwicklung für zu Hause gekauft mit der Hoffnung, das Problem wieder einmal für Jahre zu lösen. Leider war dies nicht der Fall. Darauf habe ich eine tiefere Analyse zum Problem durchgeführt, welche ich euch hiermit gerne präsentiere.

In diesen Tests geht es rein um die Lightroom Performance. Bei den meisten Fotografen kommen andere Programme wie Photoshop noch zu Einsatz. Da diese Programme anders mit den Ressourcen im Gerät umgehen, wurde dieser Einfluss nicht mit einbezogen.

Testdefinitionen

Ich bin von Berufes wegen ein Windows Benutzer. Daher sind die Tests vorwiegend mit Windows basierten Computern durchgeführt worden. Ich konnte aber zusätzlich einen 4-jährigen Apple Mac Pro organisieren, damit der Test auf allen gängigen Computern durchgeführt wird.

Für den Lightroom Performance Test habe ich mich auf folgende Bereiche festgelegt:

  1. Import von RAW Dateien und 1:1 Ansicht generieren
  2. Export von Entwickelten Bilder als 16 Bit TIFF Dateien
  3. Rendern eines Panoramas

Am optimalsten wäre noch das Entwickeln von Bildern. Nur dieser Part kann nicht so automatisiert werden, wie man dies von Hand durchführen würde. Daher habe ich darauf verzichtet.

RAW Dateien Import:

Beim Import Task habe ich einen USB 3.0 Kartenleser mit einer 64 GB CF Karte verwendet und darauf geachtet, dass dieser bei jedem Gerät an einen USB 3.0 Port angeschlossen wird. Somit wurde sichergestellt, dass bei allen Tests derselbe Datendurchsatz erfolgen kann.

RAW Dateien Export:

Beim Export wurde darauf geachtet, dass immer dieselben Einstellungen verwendet werden und die TIFF Dateien auf die angegebene Harddisk geschrieben wird.

Panorama rendern:

Beim Panorama rendern wurde darauf geachtet, dass jeweils dieselben Einstellungen verwendet werden. Es wurden 10 Bilder im zylindrischen Format gerendert.

Lightroom Performance Test

Für den Performance Test wollte ich das Zusammenspiel von Prozessor, Memory, Speicher und Grafikkarte testen um heraus zu finden, welche Komponenten wirklich zum Einsatz kommen. Zudem wollte ich herausfinden, wie sich die Performance von Intel Xeon zu i7 Prozessoren verhaltet und welche Funktionen in Lightroom die Grafikkarte verwenden.

Hardware Übersicht

Lenovo Thinkpad W540 Lenovo ThinkStation P510 Dell XPS 8300 Apple MAC Pro 5.1 Surface Pro 3
Type Notebook Workstation Desktop Workstation Tablet
Baujahr 2015 2016 2012 2012 2014
CPU Intel i7-4900MQ 2.80 GHz Intel Xeon E5-1630 v4 3.70 GHz Intel i7-2600 3.40 GHz Intel Xeon 5.1 3.33 GHz Intel i5-4300U 1.90 GHz
Prozessoren 1 1 1 1 1
Cores 4 4 4 6 2
GPU Nvidia Quadro K2100M 2GB Nvidia GF GTX 1060 6GB Nvidia GF GTX 570 1.2GB ATI Radeon HD 5770 1GB Intel HD Graphics 1GB
Memory 32 GB DDR3 64 GB DDR4 32 GB DDR3 16 GB DDR3 8 GB DDR3
Disk Seagate 2TB SATA 5’400 2.5″ OCZ 512 GB NVMe PCIe WD 2 TB SATA 7’200 3.5″ WD 4TB SATA 7’200 3.5″ Samsung 512 GB SSD
Betriebssystem Windows 10 64 Bit 1607 Windows 10 64 Bit 1607 Windows 10 64 Bit 1607 Mac OS Sierra 10.12.1 Windows 10 64 Bit 1607
LR Version CC 2015.8 CC 2015.8 CC 2015.8 CC 2015.8 CC 2015.8
   w540  p510  dellxps8300  macpro51  surfacepro3

 

Bei allen Computern wurde innerhalb von Lightroom die Grafikkarten Unterstützung aktiviert, so dass im Fall das ein Rendering Task die die GPU unterstützt, diese auch verwendet wird.

Test Datum:                                 Dezember 2016

Computer Benchmarks

Die eingesetzte Hardware im Benchmark Vergleich. Dieser Test konnte nur auf Windows Systemen durchgeführt werden, da es kein Benchmark Tool für Mac und Windows gibt. Der Apple Mac Pro hat von den Spezifikationen etwa dieselben Werte wie der Dell XPS 8300.

lr_cc_computer_benchmark

Damit die Lightroom Tests im Verhältnis zu den allgemein zugänglichen Hardware Benchmarks der Systeme stehen, habe ich diese für den besseren Vergleich hier zusammengefügt. Anhand dieses Benchmarks sollte eigentlich die Lenovo ThinkStation P510 klar der Favorit sein. Die Tests werden dazu aber ein anderes Bild zeigen.

Lightroom Import Test

Vorgehen beim Import:              – Es wurde bei allen Geräten ein neuer und leerer Lightroom Katalog erstellt
– Der Import erfolgte mit einem Card Reader und einer 64GB CF Karte über USB 3.0
– Beim Import wurden keine Entwicklungseinstellungen und Metadaten appliziert
– Es wurde eine 1:1 Ansicht generiert

Lenovo Thinkpad W540 Lenovo ThinkStation P510 Dell XPS 8300 Apple MAC Pro 5.1 Surface Pro 3
Anzahl Bilder 100 100 100 100 100
Dateigrösse 71 MB 71 MB 71 MB 71 MB 71 MB
Import Menge 7.15 GB 7.15 GB 7.15 GB 7.15 GB 7.15 GB
Import Zeit 10:09 10:48 11:24 10:42 16:24
CPU Auslastung 80% 50% 75% 40% 60%

lr_cc_import_test_zeit lr_cc_import_test_cpu

Fazit: Die Bildimport Zeiten sind nur minim länger bei 4-jährigen Computern. Der Import bzw. 1:1 Vorschaurenderung Task ist vor allen CPU lastig was sich bei höher getakteten Prozessoren in der Verarbeitungszeit wiederspiegelt. Bei Mobile Prozessoren merkt man die Performance am meisten. Eine schnelle Disk wie die NVMe PCIe beeinflusst die Importzeiten nicht wesentlich. Es ist ein Zusammenspiel von CPU und Disk.

Überraschend ist, dass der Gewinner in diesem Test der Notebook ThinkPad W540 ist. Aber die Zeiten sind alle sehr nahe bei einander.

Lightroom Export Test

Vorgehen beim Export:              – Es wurden alle 100 RAW Bilder exportiert ohne Entwicklungseinstellungen
– Der Export erfolgte auf dieselbe Disk wie der Import
– Export Einstellungen: TIFF 16 Bit Adobe RGB unkomprimiert, 360 Dpi, keine Schärfung

Lenovo Thinkpad W540 Lenovo ThinkStation P510 Dell XPS 8300 Apple MAC Pro 5.1 Surface Pro 3
Anzahl Bilder 100 100 100 100 100
Export Zeit 08:30 04:54 05:41 05:16 11:57
Export Menge 20.2 GB 20.2 GB 20.2 GB 20.2 GB 20.2 GB
CPU Auslastung 95% 50% 80% 65% 60%
Disk Auslastung 55% 10% 45% 30% 30%

lr_cc_export_test_zeit lr_cc_export_test_cpu

Fazit: Der Bildexport Task von Lightroom ist vor allem CPU intensiv und es zeigt sich hier, je mehr Taktfrequenz die CPU hat, umso schneller erfolgt der Export. Dabei spielen die Anzahl Cores eine gewisse Rolle. Verwunderlich ist, dass eine schnellere Disk wie die NVMe PCIe die Export Zeiten nur minim verbessert. Die Auswertung zeigt auf, dass es ein Zusammenspiel zwischen CPU und Disk ist.

Der Gewinner in diesem Test ist klar die ThinkStation P510.

Lightroom Panorama Rendering

Vorgehen beim Pano Rendering:            – Das Panorama Rendering wurde innerhalb Lightroom aufgerufen
– Die Einstellungen waren Zylindrisch

Lenovo Thinkpad W540 Lenovo ThinkStation P510 Dell XPS 8300 Apple MAC Pro 5.1 Surface Pro 3
Anzahl Bilder 10 10 10 10 10
Finale Dateigrösse 302 MB 302 MB 302 MB 302 MB 302 MB
Render Zeit 01:47 02:15 01:55 01:25 02:41
CPU Auslastung 65% 80% 95% 40% 80%
Disk Auslastung 90% 5% 20% 50% 90%

lr_cc_pano_render_test_zeit lr_cc_pano_render_test_cpu

Fazit: Das Panorama Rendering erfolgt in einem eigenen Programm ausserhalb von Lightroom. Eigentlich sollte dieser Task von der Grafikkarte unterstützt werden. Anhand der Tests ist dies nicht der Fall. Denn die Lenovo P510 hat eine Nvidia GeForce 1060 eingebaut. Mit dieser Performance müsste der Renderungsprozess schneller sein. Beim Test hat man ersehen können, dass die CPU den Job machte.

Der Gewinner in diesem Test ist der Apple Mac Pro 5.1. Scheinbar ist beim Mac Pro das Zusammenspiel von Lightroom mit CPU und Disk optimal.

Gesamtübersicht

In dieser Grafik sind nun alle Tests im Vergleich zu allen Testgeräten ersichtlich.

lr_cc_performance_test_summary

Das Surface Pro 3 Tablet ist klar der Verlierer. Es ist für die Bildbearbeitung mit 36 MPixel RAW Bildern einfach überfordert. Auch beim Memory Verbrauch war dies ersichtlich. Mit 8 GB ist das System schnell am Anschlag.

Der Apple Mac Pro aus dem Jahre 2012 ist für mich ein Phänomen. Ein 4 Jahre altes System schlägt bei fast allen Tests die fast baugleiche und ebenfalls mit Xeon Prozessor ausgestattete Lenovo Workstation aus dem Jahre 2016. Wenn man bedenkt, dass ein Apple Mac Pro 5.1 mit ähnlicher Ausstattung aktuell Occasion mit ca. CHF 500.- bis 800.- den Besitzer wechselt, gegenüber einer neuen Workstation über CHF 3’000.-, dann muss man sich wirklich fragen ob sich ein neuer und top aktueller Computer lohnt.

Auch der Dell XPS 8300 ebenfalls aus dem Jahre 2012 liegt im guten Mittelfeld und ist immer noch brauchbar für diese intensiven Aufgaben.

Die Lenovo ThinkPad W540 Mobile Workstation aus dem Jahre 2015 ist in meinen Augen ein Top Gerät. Wenn man in diesem System noch eine 4TB SSD einbauen würde, dann wäre dieser Notebook wahrscheinlich der Gewinner. Ich nehme stark an, dass ein aktuelles MacBook Pro der neuesten Generation wahrscheinlich ähnliche Ergebnisse erbringen würde.


Erfahrungen beim Testen

Bei den Tests hat sich gezeigt, dass es kein wirklich grosser Unterschied in der Performance von alten zu neuen Geräten gibt. Die CPU Auslastung war zwar unterschiedlich, jedoch waren die Zeitenunterschiede minimal.

Was verwunderlich ist, ist die sehr unterschiedliche Diskauslastung. Eigentlich hätte ich erwartet, dass eine langsame SATA Disk stärker ausgelastet sein sollte. Das Bild zeigt mir, dass der Flaschenhals bei der Verarbeitung beim Prozessor liegt. Lightroom kann scheinbar mit Multicores nicht so gut umgehen.

Wenn beim Import Metadaten und Entwickungseinstellungen mitgegeben werden, verlängert sich die Import Zeit um den Faktor 1.5. Zu diesem Punkt ist im Kapitel Performance Optimierung eine Lösung beschrieben.

Die Grafikkarte beeinflusst die Zeiten nicht und ist demnach für Lightroom nicht relevant. Wenn ein Fotograf jedoch zusätzlich mit Photoshop arbeitet, kann eine starke Grafikkarte aber Sinn machen. Ich würde empfehlen nicht die aktuellste und teuerste Grafikkarte zu kaufen, sondern ein Model ein oder zwei Generationen zurück. Diese sind meist sehr preiswert und reichen völlig aus beim Einsatz von Lightroom und Photoshop.

Xeon Prozessoren sind meist langsamer, selbst mit gleicher Taktfrequenz wie i7 Prozessoren. Die Empfehlung liegt ganz klar bei einem i7 Prozessor der neuesten Generation und hoher Taktrate.

Das Memory sollte für Lightroom mindestens 8GB besser 16GB und mehr zur Verfügung stehen. Lightroom nutzt alles was im System zur Verfügung steht. Gerade wenn man mit grossen RAW Dateien arbeitet, sind 8GB schnell aufgebraucht und das System fängt an zu swappen. Das bedeutet, dass ein Teil des Memories auf die Harddisk ausgelagert wird. Dieser Vorgang ist enorm langsam und verschlechtert die Performance stark.

 

Test Fazit

Die Performanceverbesserung bzw. Zeitgewinn bei der Verwendung von Lightroom ist im Vergleich von 4-jährigen zu top aktuellen Computern nur minim unterschiedlich.

Ein 4 Jahre alter Mac Pro mit Xeon Prozessor ist immer noch optimierter als eine aktuelle Windows Workstation mit Xeon Prozessor und den schnellsten Disks auf dem Markt.

CPU:

Die Tests zeigen klar auf, dass Adobe Lightroom in der aktuellen CC Version nicht optimiert ist für Multicore Xeon Prozessoren mit Windows. Vor allem die Taktrate über 3.00 GHz bei einem Intel i7 Prozessor bringt am meisten Performance.

Harddisk:

Die Harddisk ist wichtig, wenn man viel grosse Dateien einliest und wieder schreibt. Lightroom wird von der Verarbeitung der Bilder im Prozessor gebremst und daher spielt es nicht so eine grosse Rolle, dass man die schnellsten Disks einsetzt.

Memory:

Der Arbeitsspeicher beeinflusst die Performance in Lightroom nicht. Es muss aber sichergestellt werden, dass genügend Speicher zur Verfügung steht.

Grafikkarte:

Die Grafikkarte wird nur für wenige Tasks in Lightroom angesprochen und ist daher für die Performance nicht relevant. Es reicht, wenn man eine Durchschnittliche dedizierte Grafikkarte einsetzt. Von einer On-Board Grafikkarte wird aber trotzdem abgeraten.

 

GESAMTFAZIT

Ein Computer der neuesten Generation löst die Performance Probleme nicht!
Es müssen andere Performance Optimierungen vorgenommen werden.


LR Performance Optimierung

Da die Hardware alleine das Performance Problem mit grossen RAW Dateien und vielen Bildern im Lightroom Katalog nicht löst, müssen andere Massnahmen getroffen werden. Ich habe dazu recherchiert und die Top Optimierungen zusammengefasst. Alle Massnahmen können sowohl auf einem Mac wie auf Windows System vorgenommen werden.

Lightroom Katalog optimieren

Der Lightroom Katalog ist die Datenbank von Lightroom und ist der zentrale Punkt der Bildverwaltung. Es gibt dazu ein paar Punkte die man beachten sollte:

  1. Der Lightroom Katalog sollte sich auf der schnellsten Harddisk befinden. Wenn möglich auf einer SSD oder NVMe Disk.
  2. Der Vorschau-Cache sollte wie folgt optimiert werden:
 lr_cc_vorschau_cache Die folgenden Einstellungen sollten nur umgesetzt werden, wenn sich der Lightroom Katalog auf einer Harddisk befindet, auf welcher genügend Speicher vorhanden ist.

 

Diese Optimierung führt dazu, dass die erstellten 1:1 Vorschauen nicht nach 30 Tagen (Default Einstellung) gelöscht werden und somit die Vorschauen immer in höchster Qualität zur Verfügung stehen.

 

–          Die Standardvorschau auf Automatisch belassen

–          Die Vorschau Qualität auf Hoch setzen

–          Das verwerfen der 1:1 Vorschauen auf Nie setzen

 

RAW Import Vorgehen überdenken

Beim RAW Import hat man die Möglichkeit, die Qualität der Vorschauen zu definieren. Lange hatte ich eine 1:1 Vorschau definiert, was den Import Vorgang stark verlangsamt hat. Die Minimalvorschau sollte nicht verwendet werden, da sonst im Entwickeln Modul bei jedem Wechsel zum nächsten Bild zuerst eine Standard Vorschau erstellt wird. Diese ist notwendig, dass das Bild entwickelt werden kann. Siehe dazu den Anhang von Adobe in diesem Dokument.

Die 1:1 Vorschau Bilder sind dann Sinnvoll, wenn sehr oft ins Bild gezoomt wird um die Details zu prüfen, wenn dieser Vorgang nicht oder nur selten genutzt wird, ist es Sinnvoller nur die Standard Vorschau zu generieren.

Daher sind die Einstellungen mit welchen ich neu arbeite wie folgt:

  1. Beim RAW Import die Standard Vorschau definieren
  2. Nachdem die Bildentwicklung abgeschlossen und die Bildmenge aussortiert und reduziert wurde, kann wenn nötig eine 1:1 Vorschau erstellt werden. Dazu zuerst die Bilder auswählen, welche optimiert werden sollen und dann in der Bibliothek Ansicht über den Menüpunkt Bibliothek Vorschauen 1:1 Vorschauen erstellen auswählen.

Lightroom Cache vergrössern

Der Lightroom Cache ist per Default auf 1GB eingestellt. Anhand vieler Foren Diskussionen scheint hier ein Optimierungspotential zu bestehen, wenn der Camera-RAW Cache vergrössert wird. Zusätzlich ist auch hier wichtig, dass dieser Cache auf der schnellsten Harddisk abgelegt wird.

Einstellungen vornehmen:

  1. Im Menüpunkt Bearbeiten den Punkt Voreinstellungen auswählen
  2. Nun in den Punkt Dateiverwaltung wechseln
  3. Im Bereich Camera RAW Cache-Einstellungen den Speicherort auf die schnellste Disk definieren
  4. Die Maximale Grösse auf etwa 25 GB setzen, je nach vorhandenem Speicher.

Beachten von Nicht-Destruktiven Tasks

Ein wichtiger Punkt, mit dem aus meiner Sicht am höchsten Potential, ist die reduzieren der Entwicklungsschritte in Lightroom. Insbesondere die Funktionen Bereichsreparatur, Verlaufsfilter, Radialfilter und Korrekturpinsel sollten nur, wenn zwingend notwendig, angewendet werden.

lr_cc_werkzeug

Das Problem ist, dass jeder Schritt in Lightroom protokoliert wird. Je mehr Einstellungen am Bild vorgenommen werden, um so langsamer wird Lightroom. Der Killer ist dabei der Korrekturpinsel und die Bereichsreparatur Funktion oder auch Spot-Remover genannt. Wenn möglich sollten diese in Lightroom vermieden werden. Die Spot-Remover Funktion in Photoshop arbeitet eh in den meisten Fällen massiv besser als in Lightroom.

Smart Vorschauen verwenden

Ein cooler Trick, welcher für mich die beste Performance Optimierung ergab, ist die Verwendung von Smart Vorschauen. Diese Funktion ist dafür da, dass man ohne verfügbare RAW Dateien trotzdem die Entwicklung der Bilder durchführen kann. Sobald die RAW Dateien wieder verfügbar sind, werden wieder die Original Dateien verwendet für die Darstellung.

Auch hier haben viele Blogs Informationen zu dieser Optimierung geschrieben. Viele haben aber das Thema nicht abschliessend beschrieben und so greift die Funktion nur dann, wenn man die folgenden Schritte einhält:

  1. Über das Menü BearbeitenVoreinstellungen im Bereich Leistung den Punkt Für Bildbearbeitung anstelle der Originale Smart-Vorschau verwenden auswählen.
  2. Im Import Dialog wählt man die Funktion Smart-Vorschauen erstellen Somit wird zusätzlich eine Smart-Vorschau erstellt, welche im Offline Modus verwendet werden kann.lr_cc_smart_vorschau_import
  3. Nun importiert man wie gewohnt die RAW Dateien an einen spezifischen Ort.
  4. Wenn ein Bild ausgewählt ist, ist im Bereich Histogramm zusätzlich zum Original die Smart-Vorschau definiert.lr_cc_smart_vorschau_histogramm
  5. Bevor man die Bilder entwickelt, müssen die Original RAW Dateien «Offline» gehen. Und hier kommt nun der Trick ins Spiel. Damit nur noch die Smart-Vorschau verwendet werden, müssen die Original RAW Dateien temporär «Offline» gehen. Ich gehe dazu ins Dateisystem zum Ort wo sich die Dateien befinden und benenne den übergeordneten Ordner um. Dazu kann auf dem Bild rechts geklickt werden und «Im Explorer anzeigen» ausgewählt werden. Ab Lightroom Version 6.8 ist dies nicht mehr notwendig. Den mit der Aktivierung im Punkt Leistung von Für Bildbearbeitung anstelle der Originale Smart-Vorschau verwenden erfolgt dies automatisch. lr_cc_im_explorer_anschauen
    Ordnernamen vorher:
    lr_cc_smart_vorschau_ordner_orgOrdnernamen nachher:
    lr_cc_smart_vorschau_ordner_temp
    Dabei spielt es keine Rolle wie der Ordner umbenennt wird. Er muss einfach anders geschrieben werden. Somit findet der Lightroom Katalog die Original Dateien nicht mehr und geht in den Smart-Vorschau Modus.
  6. In Lightroom ändern sich in der Ansicht nun zwei Dinge. Einmal erhält die Bildübersicht rechts oben ein neues Symbol. Und zum zweiten ist im Histogramm Bereich nur noch Smart-Vorschau zu sehen. Sobald dies der Fall ist, ist die Vorschau auf die maximal definierte Bild Grösse in der Katalogeinstellung unter Vorschau-Cache reduziert.lr_cc_smart_vorschau__only_histogramm
    Nehmen wir an, die Originaldatei hat eine Auflösung von 7’360 x 4’912 Pixel. Der verwendete Monitor aber 2’560 x 1’440 Pixel. Durch das Smart-Vorschau Rendering wurde die Original Datei somit um fast 2/3 reduziert. Diese Verkleinerung wiederspiegelt sich nun in der Geschwindigkeit bei der Entwicklung der RAW Bilder. Wenn ein Full HD Monitor verwendet wird, wird die Smart-Vorschau sogar noch einmal reduziert, nämlich auf 1920 x 1080 Pixel.
  7. Nun geht man an die Entwicklung der RAW Dateien und spürt gleich, dass es massiv schneller geht, wenn man im Bereich Entwickeln von Bild zu Bild wechselt und Einstellungen vornimmt.Hinweis: Entfernen von Bilder im «Offline Smart-Vorschau» Modus sollte man vermeiden, da diese nicht lokal gelöscht werden, sondern nur im Lightroom Katalog. Ich empfehle daher im «Offline» Modus nur das flagen als abgelehnt vorzunehmen und erst nach erfolgten Online gehen diese zu entfernen.
  8. Wenn man die Entwicklung der Bilder abgeschlossen hat, wechselt man wieder ins Dateisystem und benennet den Ordner wieder um in den Originalnamen. In Lightroom ändert sich die Definition im Histogramm Bereich wieder auf Original- & Smart-Vorschau. Die Entwicklungseinstellungen werden darauf automatisch appliziert.
  9. Als nächster Schritt lösche ich alle Bilder die als abgelehnt geflagt wurden aus dem Lightroom Katalog und auf dem Dateisystem.
  10. Falls notwendig kann nun eine 1:1 Vorschau erstellt werden, indem alle Bilder selektiert werden die man rendern möchte und wählt über BibliothekVorschauen1:1 Vorschauen erstellen

Mit diesen einfachen Schritten spare ich somit massiv Zeit und Nerven ein. Vor allem, wenn man auf einem System arbeitet, welches keine schnelle Disk besitzt, spürt man die Performance Optimierung enorm.

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pdficon  Photocube_LR_CC-Performance_Test_-2016.pdf

9 Comments

  1. Antworten

    Absoluter Hammerbericht und Chapeau für Deine Arbeit… Für mich ist dieser Bericht finanziell extrem wertvoll, weil es für mich klar ist, dass ich KEINE teure Workstation zusammenbauen werde. Das Geld dafür investiere ich lieber in Reisen oder gute Linsen.

    Herzlichen Dank Stefan

  2. Antworten

    Sehr interessanter Vergleich, Danke! 🙂
    Was die Sache mit den Smart-Previews angeht, da sollte es – wenn ich das richtig verstanden habe – mittlerweile nicht mehr notwendig sein, den Ordner umzubenennen, um die Originale temporär „offline“ zu haben. Seit der letzten Version von LR gibt es in den Voreinstellungen ein Flag, was ein Arbeiten auf den Smart Previews anstelle der Originale einstellt. Siehe auch hier: http://petapixel.com/2016/09/20/adobe-lightroom-cc-now-smart-previews-faster-performance/

    • ssomogyi

      Antworten

      Hallo Michael, gerne geschehen. Das mit den Smart Vorschauen ist richtig. Mit der LR Version 6.8 kam die Funktion unter Leistung dazu, welches das Umbenennen überflüssig macht. Man sieht es aber eben nicht offensichtlich.

  3. Joachim

    Antworten

    Man könnte also zusammenfassend sagen, dass Adobe sich nicht um eine Parallelisierung
    der Tasks gekümmert hat und technisch nicht auf Höhe der Zeit ist.
    Die großen Reserven der Rechner werden nicht ausgenutzt und die Entwickler werden ihrem Anspruch nicht gerecht.
    Wirklich schade und ein wenig peinlich für Adobe.

  4. herrclich

    Antworten

    Hallo Stefan,

    danke für die Übersicht und die Mühe.
    Bei den Smart-Previews scheint es aber etwas anders zu sein, als von dir beschrieben. Ich konnte weder nachvollziehen noch andere Belege finden, dass die Smart-Previews variable Größen haben. Laut Adobe und auch meinen Erfahrungen sind diese auf 2560 Pixel an der langen Kante festgelegt. Die von dir beschriebenen Einstellungen betreffen die Standardvorschauen.
    In LR 6.8 kann man jetzt auch unter Voreinstellungen -> Leistung die Verwendung der Smart-Previews dauerhaft aktivieren und muss den Ordner der Originalbilder nicht umbenennen.

    • ssomogyi

      Antworten

      Besten Dank Andreas für deinen Input. Ich habe es mittlerweile gesehen, dass der Punkt unter Leistung das umbenennen des Ordners überflüssig macht. Bei älteren Versionen ist dies aber noch nötig.

  5. Antworten

    Wow, vielen Dank für den tollen Bericht. Das war für mich sehr Aufschlussreich. Das heist ich werde in Zukunft nicht in teuere Hardware investieren. Gerade als Hochzeitsfotograf hatt mann immer viele Fotos die mann möglichst schnell verwerten muss, da sind deine Tipps sehr hilfreich!

    Grüsse,
    Michael

  6. Martin

    Antworten

    Super Test, vielen lieben Dank. Weißt du welche Parameter gerade die Nicht-Destruktiven Tasks beschleunigen (Maskieren, Einstellungen der Belichtungen, Farben usw.)?

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